Arbeitseinsatz in Norwegen – Sind wirklich so viele Registrierungen erforderlich?

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Die administrativen Vorgaben bei Arbeitseinsätzen in Norwegen stellen gerade Neulinge vor besondere Herausforderungen

Deutsche Maschinen sind in Norwegen sehr gefragt und es überrascht daher nicht, dass Deutschland der wichtigste Maschinenimporteur ist. Im Maschinen- und Anlagenbau ist kein Maschinenverkauf ohne Montage, Inbetriebnahme und Service denkbar. Doch welche Meldungen sind erforderlich, bevor Mitarbeiter/innen nach Norwegen reisen können?

Beim VDMA-Expertengespräch „Norwegen – Meldepflichten bei Arbeitseinsätzen“ am 27. Januar 2020 in Frankfurt, erläuterten Antja Duca-Ingeberg, Abteilungsleiterin Recht & Steuern der Deutsch-Norwegischen Handelskammer (AHK) in Oslo sowie ihr Kollege Sören Gussner, ebenfalls Rechtsanwalt in der AHK, die bestehenden Regelungen.

Auftrag in Norwegen – Und was nun?

Nach erfolgreichem Verkauf der Maschine muss die Montage und Inbetriebnahme beim norwegischen Kunden geplant werden. Gelten im EWR-Mitglied Norwegen ebenfalls Meldepflichten bei Arbeitseinsätzen? Die Antwort lautet: Ja!

Zunächst ist aber eine Registrierung im Handelsregister erforderlich, um eine Organisationsnummer zu erhalten, ohne die in Norwegen nichts geht. Der nächste Schritt ist die Registrierung im Umsatzsteuerregister, die erforderlich ist für ausländische Gewerbetreibende, die in Norwegen umsatzsteuerpflichtige Leistungen erbringen. Sind diese Schritte bewältigt, sind alle Aufträge des deutschen Unternehmens in Norwegen der norwegischen Steuerbehörden zu melden – inklusive der eingesetzten Arbeitnehmer/innen, sowie Subunternehmen.

Im Anschluss müssen nach Norwegen reisende Mitarbeiter/innen noch persönlich vor Ort zur sogenannten „ID-Kontrolle“, um eine Personennummer (D-Nummer) zu beantragen (Online-Terminanmeldung dringend erforderlich.) Fast geschafft! Mit diesen ganzen Unterlagen kann eine sogenannte „HMS-kort“ für Ihre Mitarbeiter/innen beantragt werden – sozusagen die Zugangsberechtigung, um Baustellen und Anlagen (Firmengelände) betreten zu dürfen.

A1 - Explizite Befreiung von der norwegischen Sozialversicherung nötig

Zu gewisser Verwunderung kann es führen, wenn die Arbeitsinspektion trotz vorliegender A1-Bescheinigung auf die Zahlung der norwegischen Sozialversicherung besteht. Wie ist dies möglich? Um von der norwegischen Sozialversicherung befreit zu werden, muss die A1-ausstellende deutsche Krankenkasse dies der norwegischen Sozialversicherungsbehörde melden. Diese kennzeichnet dann in ihrem System, ob und wie lange entsandter Mitarbeiter/innen von der norwegischen Sozialversicherung befreit sind. Im Falle einer Kontrolle gleicht die norwegische Sozialversicherungsbehörde „NAV“ in ihrem System ab, ob eine Befreiung beantragt und genehmigt wurde. Fehlt diese Befreiung, wird die norwegische Steuerbehörde mit der Vollstreckung betraut.

Kleiner Markt – Guter Ruf entscheidend

Norwegen hat rund 5 Millionen Einwohner/innen und entsprechend überschaubar ist die Community in den wirtschaftlichen Zentren. Wo „jeder jeden kennt“ sprechen sich Vergehen bei Arbeitseinsätzen schnell herum. In Norwegen sind Gleichberechtigung und soziale Standards von hoher Bedeutung sind, so dass der Ruf eines „auffälligen“ Unternehmens schnell leidet. Deshalb ist es sehr empfehlenswert, die bestehenden Regelungen bei Arbeitseinsätzen zu beachten und keinen Imageschaden zu riskieren. Darüber hinaus ist das regelkonforme Verhalten ein Wettbewerbsvorteil im Markt, da sich korrekt durchgeführte Projekte ebenso herumsprechen.

Deutsch-Norwegische Handelskammer bietet Hilfestellung vor Ort

Gerade bei Erstprojekten ist die Besorgung der erforderlichen Dokumente kaum zu bewältigen. Praktische Hilfestellung vor Ort bietet die Deutsch-Norwegische Handelskammer (AHK), die das komplette Antragsprozedere als Dienstleistung für deutsche Unternehmen anbietet. Die AHK bietet hierzu einen sehr übersichtlichen Leitfaden, den Sie hier herunterladen können. Zur Kontaktaufnahme mit der Deutsch-Norwegischen Handelskammer werfen Sie einen Blick auf:

https://norwegen.ahk.de/dienstleistungen/recht-steuern

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